Deutschlands klägliche Zukunft wegen Kupferkabel

Deutschlands klägliche Zukunft wegen Kupferkabel

31. August 2019 0 Von Horst Buchwald

Deutschlands klägliche Zukunft wegen Kupferkabel

Berlin, 31.8.2019

Wer nicht genau hinschaut, könnte annehmen, die Deutschen leben in Sachen Netzausbau im Paradies. Denn das 87 Prozent der Haushalte in diesem Land können einen Breitbandanschluss nutzen. Das ist doch ein Erfolg? Keine Frage, denn die EU fordert, das alle Mitgliedstaaten bis 2020 über 50 Prozent Breitbandverbindungen mit über 100 Mbit/s anbieten müssen. Diese Ziellinie haben wir doch schon längst überschritten. Aber es gab ja noch eine Vorgabe der Bundesregierung aus dem Jahr 2015, die in der „Digitalen Agenda“ stand: Bis 2018 sollte allen deutschen Haushalten 50 Mbit/s zur Verfügung stehen. Schwer verschätzt. Denn es waren nur 88 Prozent der Deutschen, die sich über die blitzschnelle Datenautobahn freuen konnten. Privatnutzer ärgern sich, doch für Unternehmen kann das schon eng werden, denn die Konkurrenz ist ihnen immer mindestens eine Nasenspitze voraus. Die FDP- Politikerin und Netzexpertin Daniela Klucker, bringt noch einen weiteren bedenklichen Fakt ins Spiel: in 35 % der deutschen Gewerbegebiete müssen die Unternehmen sich mit Geschwindigkeiten von unter 50 Mbit/s dem Wettbewerb stellen. Was das bedeutet? Sehr viel mehr als eine Mail mit Anhang kann man damit kaum durch die Netze dieser Welt schicken.

Nun drängt sich die Frage auf, wie die Deutschen im internationalen Vergleich abschneiden. Wer kein Fachmann ist, wird uns sicher ganz oben einordnen. Die Mimik erstarrt, wenn man einen Blick in die Vergleichsplattform Cable.co.uk wagt. Danach brachte es Deutschland zwischen 2018 und 2019 auf eine durchschnittliche Download- Geschwindigkeit von 24,6 Mbit/s. Sieht nicht so gut aus? In der Tat, damit landeten wird auf Platz 27. Zum Vergleich: Schweden lag mit 55,18 Mbi/s auf Platz vier, Dänemark mit 49,19 Mbit/s auf Platz 5, Norwegen mit 38,46 Mbit/s auf dem 11. Rang. Und wer steht ganz oben? Taiwan mit 85,02 Mbit/s.

Die Ursache ist jedem Fachmann bekannt: Deutschland liebt das Kupfer und scheint von Glasfaser noch nie etwas gehört zu haben. Denn während z.B. in Südkorea der Glasfaseranteil bei 78,5% und in Schweden bei 64,3 % liegt, dümpelt Deutschland mit einem Glasfaseranteil von 2,6 % am Ende der Schlange vor sich hin. Ursache ist ein schwerer Denkfehler der Bundesregierung. Sie hat die Erschließung mit Kupferkabel zu lange gefördert und dadurch den Glasfaserausbau gebremst. Erst seit kurzem hat man in Berlin gemerkt, das ein Umdenken angesagt ist, will Deutschland nicht auch beim Thema 5G auf dem Abstellgleis landen. Denn nur Glasfaser und 5 G können die Anforderungen der digitalen Gigabit-Gesellschaft erfüllen- nämlich mit Download-Geschwindigkeiten von einem Gigabit/sek. Mit dem von der Deutschen Telekom betriebenen Super Vectoring auf Kupferbasis kommt man aber über 250 – 300 Mbit pro Sekunde nicht hinaus. Außerdem: selbst diese Spitzengeschwindigkeiten sind nur möglich, wenn der Verteilerkasten wenige Meter entfernt ist.

Ein weiteres Kriterium kommt hinzu: Man darf nicht auf dem Land wohnen bzw. dort ein Unternehmen betreiben. Der TÜV Rheinland Mitte hat für 2018 folgende Verhältnisse ermittelt: im Schnitt haben 83,2 der deutschen Haushalte in einer Stadt rund 100Mbit/s zur Verfügung, in halbstädtischen Gebieten sind es dann nur noch 53,6 % und ganz böse sieht es auf dem Lande aus – hier sind es klägliche 19,4 %.

Eric Schweitzer, Präsident der Industrie- und Handelskammer, gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „der Innovationsstandort Deutschland (fällt) im internationalen Vergleich zurück“.

 

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