Die Roboter kommen (Folge 3)  Visionen plus künstliche Intelligenz = Tesla

Die Roboter kommen (Folge 3) Visionen plus künstliche Intelligenz = Tesla

10. Juli 2020 0 Von Horst Buchwald

Die Roboter kommen (Folge 3)

Visionen plus künstliche Intelligenz = Tesla

Berlin, 10.7.2020

Visionen ? Helmut Schmidt muss nicht lange überlegen: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Das empfahl der ehemalige Bundeskanzler 1980. Elon Musk war gerade neun Jahre alt und hatte, wie bei intelligenten Jungs üblich, so manche Vision. Darum programmierte er unter anderem Computerspiele. Sein Artzt fand das völlig in Ordnung. Später entwickelte Elon die Vision vom Bezahlen im Internet und gründete im Jahr 2000 den Internetbezahldienst Paypal. Als er 2002 ausschied kassierte er für seine Firmenanteile 250 Millionen Dollar. Das war das Startkapital für seine nächste Vision: das Elektroauto. 2003 gründete er Tesla. Kein etablierter Automobilkonzern nahm ihn ernst. In nur einem Jahrzehnt hat er sie alle geradezu überrollt. Ein paar Zahlen machen das deutlich: Mit einer Marktkapitalisierung von derzeit etwa 227 Milliarden Dollar hat Tesla eine höhere Marktkapitalisierung als Toyota mit 206 Milliarden Dollar. Und wo stehen die drei deutschen Premiumhersteller BMW, Daimler und VW? Sie bringen es zusammen auf nicht mehr als 162 Milliarden Dollar.

Dennoch raufen sich die Börsenprofis die Haare. Was ist los mit dem Tesla Kurs? Er schwingt sich in immer luftigere Höhen. „ Das ist nicht normal!“ warnt ein Teil von ihnen. Andere sind überzeugt: „Das sind die Short – Trader. Die setzen auf fallende Kurse um wieder abzusahnen.“ Also nicht kaufen? Das Problem: Wer nicht kauft, geht leer aus, wenn die Kurse weiter steigen. „Aber der Kurs ist doch fundamental nicht abgesichert“ entgegnen die Skeptiker. Ein Beispiel: Tesla hat eine höhere Marktkapitalisierung als Toyota. Dabei haben die Japaner im letzten Jahr 10,74 Mio. Fahrzeuge abgesetzt und mit diesen einen Umsatz in Höhe von 29,9 Billionen Yen generiert. Das entspricht umgerechnet einem Wert von ca. 280 Mrd. US-Dollar.Tesla hingegen hat 2019 nur rund 367.000 Fahrzeuge verkauft. Daran, so meinen sie wird die Überbewertung deutlich. Also:Die Kurse werden fallen – behaupten sie.

Diese Prognose traf jedoch in dieser Woche nicht ein. Warum nicht? Richtet sich der Kurs einer Aktie im Zeitalter der Digitalisierung nicht mehr nach Fundamentaldaten? Oder sind realistisch erscheinende Visionen das Zugpferd?

Wer aufgepaßt hat, dem ist die nächste Vision nicht entgangen. Auch diesmal kam sie von Musk. Am Donnerstag verkündete er: Tesla ist „sehr nah“ an Level 5 angelangt. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger: Sie können echte Roboterautos auf die Straße stellen, also Fahrzeuge, die ohne jeden menschlichen Eingriff agieren können. Auf der World AI Conference in Shanghai hat Musk laut Bloomberg gesagt, er sei „zuversichtlich, das wir die Basis- Funktionalität für Level 5 noch 2020 fertig stellen.“ Nun hielt auch Adam Jones von Morgan Stanley den Zeitpunkt für gekommen indem er verkündete: die Tesla- Aktie werde längst nicht mehr nach dem zukünftigen Verkauf von Autos gemessen, sondern man müsse auch die neuen Umsatzströme berücksichtigen – nämlich den Roboterauto-Service.

Da kommt die neue Studie von Market Research Future zu diesem Markt gerade recht. Die Researcher gehen davon aus, das dieses Marktsegment bis 2027 weltweit auf 65,3 Milliarden US-Dollar ansteigen wird.

Als wichtigste treibende Faktoren für das Wachstum dieses Marktes sehen die Researcher vor allem: 1. die wachsende Nachfrage nach kraftstoffeffizienten und umweltfreundlichen Fahrzeugen, 2. den zunehmenden Spielraum für die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur,

3. die weltweit wachsenden Dienstleistungen rund ums Auto und der wachsende Bedarf an Verkehrskontrolle und besserer Verkehrssicherheit.

Schon 2021, so Musk, werde Tesla vollautonome Autos auf die Straße bringen und sein Unternehmen Schritt für Schritt in eine Robo-Taxiflotte umwandeln. Damit setzt er die Konkurrenz schwer unter Druck. Denn VW, Ford, Uber, und auch Waymo haben in der vergangenen Woche angekündigt: die Entwicklung beim autonomen Fahren werde langsamer voranschreiten.

Der chinesische Fahrradgigant Didi Chuxing macht inzwischen schon Nägel mit Köpfen. Er hat in der vergangenen Woche in Schanghai einen Pilotservice für selbstfahrende Roboter-Taxies gestartet.

Wenige Tage zuvor wurden Pläne bekannt, wonach bis 2030 über eine Million selbst fahrende Fahrzeuge über seine Plattform eingesetzt werden sollen.

 

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